Geschichte der Familie und Firma Windecker

Aufgeschrieben von Olaf Windecker Januar 2012

Johann Heinrich Windecker wurde am 25.1.1908 in Steinbach geboren, als erster Sohn von Landwirtsehepaar Mathilde und Georg Heinrich Windecker. Das Glück war getrübt, denn der kleine Jean hatte eine doppelte Hüftluxation, und es stand fest, dass er nie den Pferden bei der Arbeit nachlaufen können wird. Mit dem Handwagen wurde er in die Schule gefahren, dann mit 14 Jahren im Friedrichsheim behandelt. Von da an war die rechte Hüfte steif. Deshalb konnte er seinen Beruf nicht in der geliebten Landwirtschaft finden. Da kam der Vorschlag: „Du wirst Uhrmacher“. In Frankfurt-Bockenheim konnte eine Lehrstelle gefunden werden, und die Gesundheit ermöglichte ihm, diese Fahrt oder Wanderung zu bewältigen. Einige Zeit hatte Jean auch eine Unterkunft in Frankfurt. Als Lehrling musste er noch Lehrgeld zahlen. Als Uhrmachergeselle kam er zu Hans Renken, einem hervorragenden Uhrmacher (selbst mit Körperbehinderung). Hier praktizierte Jean die tägliche Uhrmacherarbeit und legte auch seine Meisterprüfung ab. Bei seinen Fahrten mit der Eisenbahn nach Frankfurt bekam Jean von anderen Fahrgästen gelegentlich Uhren zur Reparatur. Diese führte er schnell und preisgünstig aus. So kamen die ersten Neider: „Bauernsohn mit Frühstück und Milch hat einen Arbeitsplatz als Uhrmacher und arbeitet noch schwarz.“ Es drohte eine Anzeige. Der gute Rat kam vom Bürgermeister Molitor: „Melde doch ein Gewerbe als Uhrmacher an“. Diese Anmeldung erfolgte zum 1.10.1927.



Seine Uhrmacher-Ausbildung und die Gesellenzeit waren in den Jahren 1923 bis 1932. Herr Renken konnte seinen Jean, in der arbeitslosen Zeit, nicht mehr halten, und somit entstanden neue Ideen: Selbständig machen. Die Steinbacher und Eschborner konnten aber nicht so viele Uhren zur Reparatur liefern. Die geschäftstüchtige Mutter Mathilde kaufte einen Opel P4, und so konnte sie mit ihrem Sohn nach Oberhöchstadt, Schönberg, Kronberg, Niederhöchstadt, Eschborn und Oberursel fahren. Heute spricht man in der Landwirtschaft von „Selbstvermarktung“. 1932 praktizierten die Windeckers aus Steinbach dies mit der eigenwilligen Produkt-Palette: Eier, Butter, Käse und Uhren. Eine bestimmt einmalige Zusammenstellung. Die Anzahl der besuchten Orte nahm zu, ebenso die Zahl der Uhr-Reparaturen, so dass sich das Geschäft ausweitete. Im alten Reparaturbuch kann man dies gut verfolgen. Namen von Familien sind zu lesen, welche wir noch heute als Kunden zählen dürfen, nun schon in der nächsten Generation.

Als Lehrling bekam Jean Windecker von seinem Patenonkel einen Uhrmacherwerktisch mit vielen Schubladen für die Ersatzteile. Einige Schubladen hatten nochmals kleine seitliche Schieber für Uhrteile, Lochbohrungen für Glasröhrchen als Lager der Unruhwellen und Spezialwerkzeuge. Dieses betagte Stück steht noch heute in unserer Uhrmacherwerkstatt und wird täglich gebraucht.

Mit dem Jahre 1935 kam der nächste Schritt nach vorn. Auf dem Marktplatz von Oberursel konnte ein Laden gemietet und eine Verkäuferin eingestellt werden. Sie bediente die zahlreichen Kunden, die mit Reparatur-Wünschen für Uhren und Schmuck kamen. Der junge Uhrmacher mit Auto auf dem Marktplatz wurde schnell bekannt. Seine Gehbehinderung machte ihn unverwechselbar, und sie verhinderte auch den Einzug in die Wehrmacht. Wir haben auch heute noch Kunden dieser Zeit  und hören gerne ihre Geschichten.

Im Jahre 1938 war die Verlobung mit Agnes Maria Lipp aus Weißkirchen. Es begann die Suche nach einem größeren Ladenlokal. In der Oberhöchstadter Strasse 3 kaufte das junge Paar das Anwesen des Metzgermeisters Schlegel. Zu dieser Zeit waren in der Oberhöchstadter Strasse noch die Post und der Rathauseingang. Das Haus wurde renoviert und umgebaut für Laden, Werkstatt und Wohnung. Denn 1939 läuteten die Hochzeitsglocken und die junge Familie sollte sich wohl fühlen. Der Kriegsbeginn 1939 bremste den geschäftlichen Erfolg. Man überbrückte die Zeit bis 1948 mit Reparaturen an Uhren und Schmuck.

Nach der Währungsreform konnte der Verkauf von Uhren und Schmuck beginnen. Mit unserer Mutter kam eine aktive, clevere und starke Geschäftsfrau dazu. Es ist bewundernswert, wie sie den Verkauf in Bewegung setzte. Es fehlte am Angebot, es fehlte an der Kaufkraft, und doch wurde unentwegt nach geschäftlichen Möglichkeiten gesucht, und sie wurden gefunden. Nach dem Krieg und noch in den fünfziger Jahren wurden landwirtschaftliche Produkte am Hoftor verkauft. Die erste geschäftliche Ausweitung erfolgte 1954 mit dem Versetzen des Hoftores und dem Anbau eines Schaufensters. Dadurch konnten Großuhren dekoriert werden. Zusätzlich wurden Bestecke, Haushaltsartikel und Tafelgeräte in den Verkauf aufgenommen.
Eine schwere Krankheit befiel 1953 unsere Mutter und belastete damit die Familie und das Geschäft. Der älteste Sohn Hans lernte ab 1956 das Uhrmacherhandwerk. Gottfried, der zweite Sohn, wurde Landwirt und übernahm die Landwirtschaft in Steinbach . Olaf als dritter Sohn lernte ab 1959 Kaufmann, später noch Uhrmacher und Goldschmied. Tochter Mathilde ließ sich bei den Eltern als Kauffrau im Einzelhandel (Uhren + Schmuck) ausbilden.
1965 reifte der Plan für einen weiteren Umbau. Man benötigte eine größere Verkaufsfläche und wollte die drei Treppenstufen zum Laden nicht mehr. Die Bauvoranfrage wurde genehmigt aber der Bauantrag nicht. So begann eine längere Diskussion mit der Stadt. Es war dann unser Glück, dass die Stadt in dieser Zeit die Bundesstraße verbreitern musste und wir auf unserem Grundstück einen Neubau mit fünf Geschossen errichten konnten. Im Erdgeschoss fanden zwei Läden und die Werkstatt Platz, 3 Etagen wurden als Büros vermietet, und in der 4. Etage war die Wohnung der Eltern. Durch den Aufzug gelangten die Eltern mühelos - trotz Gehbehinderung - vom Geschäft zur Wohnung. Für den Neubau übernahm Sohn Olaf die Verhandlungen mit der Stadt, dem Straßenbauamt, mit Banken, mit dem Architekten Franz Krack und mit Handwerkern. Beim Einzug am 1.März 1969 war Vater Windecker 61 Jahre und Mutter 58 Jahre alt.



Olaf Windecker heiratete 1969 Rosemarie Blank-Hanslmeier. Aus dieser Ehe stammen 3 Söhne: Gerhard, geb. 1970, Dipl. Ing. Verfahrenstechnik - Jürgen, geb. 1973, Uhrmachermeister, und Norbert, geb. 1974, Uhrmachermeister.

Im Jahre 1986 verstarb mit 78 Jahren der Firmengründer Johann Heinrich Windecker (Jean) und 1997 mit 86 Jahren seine Frau Agnes.
Das Bäreneck wurde 1990 abgerissen, und die Bärenarkaden eröffneten 1992; somit reicht der Arkadengang bis in die Vorstadt, und unser Geschäft ist an andere Läden angeschlossen.

Zurzeit besteht unser Schmuck Sortiment aus Gold, Platin, Palladium, Silber und Edelstahl mit Diamanten, Zuchtperlen und Edelsteinen. Die in eigener Werkstatt hergestellten Schmuckstücke sind Unikate die von mir, Olaf Windecker, gefertigt werden. Immer mehr Kunden lassen Schmuck individuell nach eigenen Wünschen anfertigen. Der Schmuck wird somit persönlicher und exklusiver.
Folgende Uhrenmarken haben wir im Programm: Victorinox Swiss Army, CK Calvin Klein, Nomos Glashütte i.Sa., Bering, Candino und Swatch. Johann Kaiser und Fischer & Sohn fertigen für uns Trauringe aus Gold, Palladium und Platin, mit und ohne Diamanten besetzt. Unsere Schmuckmarken, Charlotte, Heartbreaker, Quinn, Ck-Jewelery, Diamonfire bieten Schmuck in Gold, Silber und Edelstahl.

Frau Simone Geißler ist als Kauffrau im Einzelhandel für den Verkauf und die Dekoration verantwortlich. Der derzeitigen Mode entsprechend werden von Frau Geißler Ketten und Armbänder aus Edelsteinen, Perlen, Gold- und Silberteilen gefertigt. Frau Christine Kuhlemann, gelernte Uhrmacherin und Kauffrau im Einzelhandel, repariert Uhren und ist als Fachfrau im Laden eine Stütze.
Mit Jürgen Windecker ist die dritte Generation im Unternehmen. Die  traditionelle Uhrmacher Werkstatt wurde für die Zukunft verändert, das Ladengeschäft wurde 2011 modernisiert und komplett umgebaut.
Durch die Zusammenarbeit der Brüder Jürgen und Norbert wurde die Uhrenmanufaktur „Windecker & Söhne“ mit eigenem selbstgefertigten Werk möglich. Mit unseren Maschinen können wir die ¾ Platine selbst fräsen.

Als einer der ersten Uhrmacher Werkstätten in Hessen wurden wir, vom Zentral Verband der Uhrmacher, zertifiziert. Damit ist die Ersatzteillieferung für die Zukunft gesichert.
Wir öffnen unsere Werkstatt und geben unser Wissen an interessierte Uhren Liebhaber in unseren Uhren Seminaren weiter.

Jürgen Windecker wurde von der Handwerkskammer zu den Meisterprüfern berufen, und ist Dozent bei den Vorbereitungskursen zur Meisterprüfung der Hessischen Uhrmacherschule.

Schmuck

Goldschmied Olaf Windecker fertigt Schmuck nach Maß. Mit Kreativität und Können entstehen einzigartige Stücke aus Gold, Palladium oder Platin. Lesen Sie hier weiter

Seminare

Wollten Sie schon immer mal wissen wie eine mechanische Uhr funktioniert? Welches Rad welche Funktion hat?

Windecker & Söhne

Bei der Kollektion Windecker & Söhne handelt es sich um eine Kleinstserie von Handaufzuguhren, bei denen das Uhrwerk in der eigenen Werkstatt gefertigt wurde. Lesen Sie hier weiter